Common Law

Heutige Verbreitung des Common Law (dunkelblau) und der Mischsysteme die zum Teil aus Common Law bestehen (hellblau).

Das Common Law ist ein in vielen englischsprachigen Ländern vorherrschender Rechtskreis, der sich nicht nur auf Gesetze, sondern auf maßgebliche richterliche Urteile der Vergangenheit – sogenannte Präzedenzfälle – stützt (Fallrecht) und auch durch richterliche Auslegung weitergebildet wird (Richterrecht). In dieser Bedeutung bildet es den Gegensatz zum sogenannten Civil Law der kontinentaleuropäischen Länder, das auf von den jeweiligen Gesetzgebern kodifizierten Gesetzen basiert und in dem das Richterrecht eine untergeordnete Rolle spielt.

Während die Rechtsfindung und Rechtsentwicklung beim common law in erster Linie auf dem methodischen Prinzip der Analogiebildung zwischen konkreten Einzelfällen beruht, beruht sie beim Civil Law (Zivilrecht oder bürgerlichen Recht) methodisch auf dem Abstraktionsprinzip. Mithilfe des Analogieprinzips werden unterschiedliche konkrete Einzelfälle im Hinblick auf Parallelen und Gemeinsamkeiten verglichen. Mithilfe des Abstraktionsprinzips werden Einzelfälle explizit ausformulierten abstrakt-allgemeinen Gesetzesaussagen subsumiert, die von professionellen Juristen in ein geordnetes System (Kodifikation) gebracht wurden. Einzelfälle werden mithilfe solcher Kodifikationen also explizit und systematisch kategorisierbar.

Innerhalb dieses Rechtskreises wird die Bezeichnung common law auch zum einen als Gegensatz zum statute law benutzt, d. h. den von Parlamenten erlassenen, kodifizierten Gesetzen. Zum anderen bezeichnet es innerhalb dieser zweiten Bedeutung den Gegensatz zu equity, d. h. Regeln zur Ergänzung des Common Law zum Ausgleich von Härten, die dieses bei konsequenter Auslegung verursachen würde, nach richterlichem Ermessen (vergleichbar mit dem Begriff der Billigkeit).